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Von der Maas bis an die Mosel,
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keltisch-germanische Mischbesiedlung römische Herrschaft Völkerwanderung, deren Ergebnis die alemannische Besiedelung ist im Vertrag von Mersen (870) wird die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich besiegelt Stauferzeit (12./13.Jhdt) Elsass Kernland der deutschen kaiserlichen Macht (Kaiser Barbarossa: Das Elsass ist "unserer Stammländer geliebtestes") 1354 Zehnstädtebund der elsässischen Reichsstädte Straßburg Mittelpunkt des deutschen Humanismus 1648 Westfälischer Frieden, wichtige Gebietsteile fallen an Frankreich 1681 Straßburg von Frankreich besetzt 1789 französische Revolution, erst in deren Folge - Maßnahmen zur Verdrängung der herrschenden deutschen Sprache - allmähliche Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls zu Frankreich 1871-1918 Zugehörigkeit zum Deutschen Reich 1940 bis 1945 deutsche Besetzung (2. Weltkrieg) |
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Fragen und Antworten zum Thema Elsass-Lothringen
Woher kommt der Begriff Elsass-Lothringen?
Der zusammengesetzte Begriff Elsass-Lothringen war ab 1871 die offizielle Bezeichnung für das nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bis 1918 von Frankreich an Deutschland abgetretene Gebiet, das praktisch das gesamte Elsass und einen Teil Lothringens, das sog. "Deutsch-Lothringen" umfasste.
Ist die Verwendung des Begriffs Elsass-Lothringen von Deutschland aus nicht politisch belastet?
Die Begriffsverwendung ist heute eigentümlich. Im politischen Bereich spielt der Begriff in Deutschland keine Rolle.
Anteilnahme am Schicksal von Elsass-Lothringen ist in der deutschen Politik nirgends zu erkennen. Diese
"Nichteinmischungs-Politik" beruht wohl auf einer Mischung aus Unwissenheit, Resignation und ängstlicher Bequemlichkeit.
Man muss aber auch sehen, dass selbst die -wenigen- elsässischen Autonomisten stets bemüht sind,
den Eindruck unbedingt zu vermeiden, aus Deutschland "ferngesteuert" zu werden.
Was sollte da also eine Einflussnahme aus Deutschland nützen?
Fühlen sich die Elsässer und Lothringer als Deutsche?Was andere fühlen, lässt sich nur mutmaßen. Es steht aber außer Frage, dass auch heute noch in Elsass-Lothringen irgendwie eine gefühlsmäßige Verbindung zum deutschen Kulturkreis besteht. So wird in einer 2001 vom Fernsehsender "Arte" ausgestrahlten Dokumentation von älteren Elsässern berichtet, dass sie "feuchte Augen bekommen", wenn sie im Fernsehen deutsche Volksmusiksendungen empfangen. Ein Bekenntnis zur deutschen Nation ist heute aber nirgends mehr zu vernehmen, noch nicht einmal aus dem Kreis der elsass-lothringischen Autonomiebewegung. Im Gegenteil - jedenfalls von denen, die das "Sagen" haben - wird die Treue zu Frankreich allgemein beteuert. Der elsässische Dichter und Illustrator Jean-Jacques Waltz, der heute im Elsass als "Hansi" mit seinen verklärenden Bildchen - Ikonen gleich - allgegenwärtig ist, setzte Frankreich gar mit himmlischen Gefilden gleich ("le paradis tricolore"). Womöglich ist diese Bewunderung sogar etwas typisch deutsches - man denke nur an das frappierend ähnliche deutsche Sprichwort "Leben wie Gott in Frankreich". Niemand wird bestreiten: Gegenwärtig ist Frankreich mit seinem gesunden, selbstbewussten Nationalgefühl ungleich attraktiver als das heutige, bußfertige Deutschland. Die nationale Hochstimmung, wie sie zum Beispiel der französische Nationalfeiertag (14. Juli) in Frankreich auslöst, hat in Deutschland nichts Vergleichbares. Die Zeiten, wo es vom Deutschen noch hieß "er blickt hinauf in Himmelsauen, wo Heldenväter niederschauen", sind lange vorbei. Jedoch war in Elsass-Lothringen das Bekenntnis zu Frankreich noch vor zwei, drei Generationen nicht so allgemein wie heute. Der Elsässer Wohltäter und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (+1965) bekannte sich zeitlebens zur deutschen Nation. Das Gedenken an Albert Schweitzer wird im Elsass zwar auf lokaler Ebene gepflegt, auf nationaler Ebene, von Frankreich, wird er jedoch bis heute nie als eines seiner "großen Söhne" bezeichnet. In dem 2003 vom ZDF (Zweiten Deutschen Fernsehen) veranstalteten Wettbewerb "Der größte Deutsche" war unter den Kandidaten unter anderem auch Mozart und ausdrücklich auch Albert Schweitzer aufgeführt. Während Österreich (frei nach dem Motto "Mozart ein Österreicher, Hitler ein Deutscher") gegen die Kandidatur von Mozart vehement protestierte, gab es aus Frankreich in puncto Albert Schweitzer nur ein "beredtes Schweigen". Ein ganz anderes Beispiel war der in Europa nahezu unbekannte, in den USA aber außerordentlich populäre Musiker und Bandleader Lawrence Welk (+1992). Seine Eltern stammten aus dem Elsass und wanderten erst nach Russland, bald weiter nach Amerika aus, wo sie sich in "New Strasburg" niederließen, einer Gründung Elsässer Auswanderer. Dort wurde nur deutsch gesprochen, auch in der Schule. Und so lernte Lawrence Welk - mitten in den USA! - erst im Erwachsenenalter mühsam Englisch, mit einem sehr starken deutschen Akzent, sein "Markenzeichen". Auf Fragen nach seiner Herkunft pflegte er zu antworten, seine Familie stamme aus "Alsace-Lorraine, Germany".
Was sind die ursprünglicheren Ortsnamen, die deutschen oder die französischen?
Wo verläuft die Sprachgrenze?
In Elsass-Lothringen ist die öffentliche Umgangssprache heute Französisch, und in diesem Sinne ist die einstige Sprachgrenze heute deckungsgleich mit der französischen Staatsgrenze. Die Vogesen-Sprachgrenze ist heute nur noch eine Illusion. Wenn ein -pardon!- "richtiger" Franzose von Westen her kommend die Vogesen überschreitet, wird er weiterhin nur Französisch zu hören bekommen, dessen "elsässischen" Akzent wird er womöglich bereits für den "elsässischen Dialekt" halten. Jedenfalls wird er von einer Sprachgrenze nichts bemerken, denn Deutsch wird nur noch im familiären Bereich und auch das auch in der Hauptsache nur von der älteren und mittleren Generation gesprochen. Und so läuft heute durch Elsass-Lothringen die Sprachgrenze eher quer durch die Generationen, quer durch die "Alterspyramide", quer durch die Familien. Liegt hier nicht nur ein schmales Grenzgebiet vor, und es gibt einfach hüben und drüben ein paar Leute, die
eben auch die Sprache des Nachbarlandes sprechen?
In der Schweiz bilden die deutschsprachigen Schweizer mit ungefähr 2/3 der Einwohnerzahl und Fläche bei weitem die Mehrheit. Die französischsprachige Schweiz ist hingegen nur ein kleines Randgebiet, nach Fläche und Bevölkerungszahl erheblich kleiner als Elsass-Lothringen. Und doch galt das Französische in der französischsprachigen Schweiz schon immer als vollwertige Amts- und Schulsprache. Ähnliche Rechte von Frankreich zu erhalten, davon können die Deutschsprachigen in Elsass-Lothringen aber nur träumen. Wird in Elsass-Lothringen noch deutsch gesprochen?Noch bis vor hundert Jahren war Deutsch die beherrschende Sprache. Und das lag nicht an der damaligen deutschen Besetzung, sondern an den kulturellen Wurzeln des Landes. Zum Beispiel: Goethe, der im ausgehenden 18. Jahrhundert in Straßburg studierte, tat dies an einer gänzlich deutschsprachigen Universität - trotz bereits langer politischer Zugehörigkeit Straßburgs zu Frankreich. Die Frage, ob in Elsass-Lothringen deutsch gesprochen wird, ist in Frankreich fast ein Tabu. Selbst die Einwohner Elsass-Lothringens, die noch deutsch sprechen, meiden die Bezeichnung "Deutsch", denn das klingt nach "Deutschland" und hat vermeintlich einen Beigeschmack nach Separatismus. Es heißt es stattdessen immer nur, dass "alsacien" (Elsässisch)gesprochen wird, in Lothringen "francique" (fränkisch, moselfränkisch) oder "platt". Keiner kann aber ernsthaft bezweifeln, dass alles deutsche Dialekte sind. Ein Münchner spricht bayerischen Dialekt, ein Frankfurter hessischen Dialekt, ein Leipziger sächsischen Dialekt: fragt man diese aber, was denn ihre Mutter-"Sprache" sei, werden alle antworten:"Deutsch". Genau so ist, wenn man die Regional-"Sprache" in Elsass-Lothringen meint, "Deutsch" die in Wahrheit zutreffende Bezeichnung - auch wenn die Wahrheit, wie jeder weiß, nicht immer und überall beliebt ist. Grundlegend anders ist es beispielsweise bei den deutschsprachigen Einwohnern in Ostbelgien. Diese wenig bekannte, zahlenmäßig kleine Gruppe, mit ca. 100.000 Zugehörigen, bezeichnet sich selbst als deutschsprachig. Diese belgische Minderheit musste sich auch gegen Widerstände einen kulturellen und sprachlichen Sonderstatus in Belgien erkämpfen. Das gelang teilweise, nämlich in dem auch als "Eupen-Malmedy" bezeichneten Gebiet; in dem davon isolierten, viel weiter südlich gelegenen, kleinen Randgebiet um Arel (das vor einigen Jahren durch den Dutroux-Prozess unliebsam bekannt gewordene "Arlon", einst die westlichste Stadt des deutschen Sprachraums) lebt die alte Sprache nur noch in den höheren Altersklassen. In "Eupen-Malmedy" hingegen gibt es heute deutschsprachige Schulen, deutschsprachige Zeitungen, deutschsprachige Ortsschilder - alles das wäre in Elsass-Lothringen undenkbar. Gewiss, im heutigen, vom Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen zerrissenen Belgien, profitierte "Eupen-Malmedy" auch etwas von seiner Rolle als der "lachende Dritte". Aber der Hauptunterschied zu Elsass-Lothringen liegt wohl darin, dass Eupen-Malmedy erst im 20. Jahrhundert von Deutschland abgetrennt wurde, zu einer Zeit, als sich das Nationalbewusstsein in Deutschland bereits längst entwickelt hatte.
Die Gleichung Franzose=Französischsprechender wurde erst später von den Machthabenden aufgestellt und ging mit einem großen administrativen und kulturellen Anpassungsdruck einher. Ziel war, in Elsass-Lothringen die französiche Sprache auf allen Ebenen und Lebensbereichen durchzusetzen. Die Höhepunkte dieser Politik waren die Zeiten nach beiden Weltkriegen, besonders radikal wurde nach dem ersten Weltkrieg vorgegangen. Wichtigstes Instrument war die Schulpolitik, die der mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung das Französische unerbittlich als alleinige Schulsprache vorsetzte. Gegen diesen Kulturkampf regte sich in den 1920er und 1930er Jahren im Elsass teilweise erbitterter (nie gewalttätiger) Widerstand; vor allem zu nennen ist hier der "Heimatbund", der sogar nicht ohne Märtyrer blieb. Lautet doch der französische Wahlspruch, in seiner Originalfassung: "Liberte, egalite, fraternite - ou la mort", also: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - oder der Tod". Gewiss, heute sind die Alternativen nicht mehr so krass, aber im genannten Wahlspruch wird auch der kulturelle Herrschaftsanspruch Frankreichs deutlich. Dagegen war auf die Dauer kein Kraut gewachsen. Vielmehr gab es zu allen Zeiten in Elsass-Lothringen auch eine fortschreitende Bereitschaft zur Aufnahme der französischen Sprache und Kultur. Diese Tendenz wurde beherrschend, als nach dem zweiten Weltkrieg das Ansehen Deutschlands und dessen Kultur auf einen Tiefpunkt sank. Das Deutsche galt nun nicht mehr als die Sprache der "Dichter und Denker", sondern eher als Sprache der "Schlächter und Henker", oder, wie der deutsche Bundestagspräsident (W. Thierse) dieser Tage seine eigene Muttersprache beschrieb: "die Sprache des Mordes, des Antisemitismus, der Menschenfeindlichkeit, der Lüge und des rassistischen Vorurteils" (1).
Kein Wunder also, dass seit 1945 die Kritik an der Verdrängung der deutschen Sprache in Elsass-Lothringen weitestgehend verstummt ist.
Ein guter Nährboden für die Kampagne "il est chic de parler francais" (es ist "chic", französisch zu reden), die eine gebetsmühlenartige
Wirkung entfaltete. Das führte, wie es eine Elsässerin in der bereits oben genannten Arte-Sendung sagte, schließlich dazu,
dass es ab den 1970er Jahren in Mode kam, die Kinder nur noch auf französisch zu erziehen. Und so war der Dammbruch da.
Das alles gilt nur für den familiären Bereich, und nur, wenn kein Fremder dabei ist. Es genügt, wenn auch nur ein "Franzose" anwesend ist - dann wird in der Regel von allen auf das Französische umgeschaltet; eine für Minderheitensprachen typische Haltung, eine Mischung aus Höflichkeit, Gastfreundschaft und einer Art Unterlegenheitsgefühl. Heute stellen - von entlegenen kleinen Orten abgesehen - zugewanderte "Zentralfranzosen" überall einen gewissen Bevölkerungsanteil. Daher sind Elsässer und Lothringer heute nur noch selten ganz "unter sich", und so ist das Deutsche aus dem öffentlichen Sprachgebrauch praktisch verschwunden. Die Geschwindigkeit, mit der der Sprachwechsel voranschreitet, ist frappierend. Es gibt selbst heute, im Jahr 2008, noch einige wenige sehr alte Leute, die nur deutsch sprechen, auf der anderen Seite aber auch viele Kinder, die nur mehr das Französische beherrschen. Fragt man einen Greisen auf französisch nach dem Weg, muss man noch mit der Antwort "nix franzesch" rechnen. Fragt man Kinder auf deutsch, kommt Kopfschütteln. Ausgewanderte Elsässer, die nach 20, 30 Jahren einmal wieder die alte Heimat besuchen, berichten fassungslos, dass sie dort, wo sie früher mit Deutsch "durchkamen", sie sich heute wie "im falschen Film" fühlen.
Im Norden Frankreichs, bei Dünkirchen, greift (oder besser gesagt: griff) der flämische Sprachraum auf das französische Staatsgebiet über. Die ungefähr 200.000 "Flamen" dieses Gebiets sprechen heute Französisch. Nur wenige alte Menschen beherrschen noch das Flämische (=Niederländische). Die Nähe zum bestehenden (belgisch-) flämischen Sprachgebiet hat das Verlöschen der flämischen Sprache in Frankreich nicht aufgehalten. Hat Deutsch noch eine Zukunft in Elsass-Lothringen?Für die meisten Kinder in Elsass-Lothringen ist heute das Deutsche nicht mehr Muttersprache, sondern nur noch "Großmuttersprache". Da Kinder die Zukunft sind, dürfte klar sein, dass die deutschsprachige Tradition in Elsass-Lothringen bald abgerissen sein wird.
Natürlich könnte man auch sagen, wenn sich die eine Muttersprache durch die andere ersetzen lässt, dann könnte es ja auch genauso gut einmal wieder anders herum gehen. Man muss aber sehen, dass das Verschwinden des Deutschen als Muttersprache das Endergebnis eines Prozesses von der Dauer mehrerer Generationen ist. Gibt es denn gar keine Bestrebungen, die deutsche Sprache in Elsass-Lothringen zu erhalten?In Amerikas Wildem Westen wurden die Büffel jahrzehntelang gedankenlos dezimiert und erst kurz vor der Ausrottung unter Schutz gestellt. Die verbliebenen Restbestände sind heute weit von ihrer früheren, landschaftsprägenden Bedeutung entfernt.Ein ähnliches Schicksal steht der deutschen Sprache in Elsass-Lothringen bevor - im günstigsten Fall. "Fünf vor Zwölf" haben sich einige kleinere Vereinigungen gebildet, die sich die Förderung der Zweisprachigkeit zum Ziel gesetzt haben und auch bereits Erfolge vorweisen können. Außerdem gibt es konkrete Pläne, um das Überleben des Deutschen wenigstens in lokalem Rahmen zu sichern. Diese Projekte mit ihrer großen Symbolwirkung werden, wenn sie Erfolg haben, das Deutsche nur als Sprache einer kleinen Minderheit erhalten können. Selbst dann ist es eine Frage, ob sich das Deutsche als Minderheitssprache, in der "Diaspora", wird halten können, wo es sich in den Zeiten, als es noch Mehrheitssprache war, nicht hat halten können. Löst sich die elsass-lothringische Frage durch das politische Zusammenwachsen Europas nicht von alleine?
Ja, sind denn die Deutschen in Frankreich und Elsass-Lothringen unbeliebt?Bei manchen Lesern der vorstehenden Seiten entsteht vielleicht der unbestimmte Eindruck, alles Deutsche und damit auch deutsche Besucher wären in Elsass-Lothringen - oder auch Frankreich allgemein - nicht sonderlich beliebt. Dieser Eindruck wäre völlig falsch. In keinem der Nachbarländer der Bundesrepublik sind Deutsche so gerne gesehen wie in Frankreich (genauso Luxemburg und Belgien).Deutsche Austauschschüler können es in Frankreich kaum glauben, wenn sie - in krassem Gegensatz zur vom deutschen Geschichtsunterricht genährten Erwartungshaltung - hören, dass sogar französische Kriegsteilnehmer in der Regel nur Positives von Ihrer (Kriegsgefangenen-)Zeit in Deutschland berichten. Nun, Elsass-Lothringen ist wegen der geschichtlichen Besonderheiten nicht ganz vergleichbar, jedoch werden auch dort wohlmeinende deutsche Besucher nur Gastfreundschaft, aber keine Ressentiments vorfinden. Wozu das alles?"Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist", reimte einst Wilhelm Busch. Ja, das Vergessen-Können ist ein großes Glück. Das bewusste Ignorieren der Wurzeln Elsass-Lothringens ist aber kein Vergessen-Können, sondern ein Vergessen-Wollen, sprich: Verdrängen. Und Verdrängen schafft kein Glück. Wehklagen über das Verschwinden der deutschen Sprache in Elsass-Lothringen nützt allerdings auch niemandem.Was kann man als Außenstehender nun tun? Nicht viel! Einmischung von außen ist gewiss heikel, aber man muss denjenigen Elsass-Lothringern, die um den Spracherhalt bemüht sind, auch nicht gerade in den Rücken fallen. Ein kleiner Schritt wäre schon, als Besucher aus Deutschland die alten Ortsnamen zu verwenden; warum sollte man das alte "Weißenburg" nicht auch genauso bezeichnen? Außerdem ist es nicht verboten, mit offenen Augen durchs Land zu gehen. Es gibt viel zu entdecken und viel zu fragen. Warum finden sich zum Beispiel auf den christlichen Friedhöfen keine älteren Inschriften, sondern nur neuere französische? Fragen kostet nichts! Interessant ist sicher auch, noch einmal einen der deutschsprachigen Gottesdienste zu besuchen - noch gibt es welche! Auch kann man am Kiosk noch im Elsass mal eine der notleidenden zweisprachigen Tageszeitungen kaufen - die gibt es noch, unter der Ladentheke, so als ob das etwas anstössiges wäre. Was die Elsässer und Lothringer selbst tun können oder wollen, kann ihnen niemand abnehmen. Denn der Satz, dass jeder seines Glückes Schmied ist, gilt gerade in demokratischen Gemeinwesen auch für ganze Völker oder Volksgruppen. Das müssen auch Außenstehende respektieren - der Autor dieser Seiten gehört dazu. Und so bleibt diesen Internetseiten vor allem eine dokumentarische Aufgabe. Das wichtigste Anliegen ist, die Geschichte und die sprachlich-kulturellen Wurzeln Elsass-Lothringens so darzustellen, wie sie tatsächlich waren. Da zur Thematik dieser Internetseiten nur wenige Informationsquellen vorliegen, musste der Autor sich die zentralen Thesen auf Grundlage eigener Anschauung bilden. Der Autor ist offen für neue Ansichten. Wer andere Ansichten und zu dem Thema hat oder konstruktive Beiträge liefern kann, möge das bitte dem Autor mitteilen. |
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" Der erste deutsche Reichstag (1871-1874) hatte ... einen reichen Arbeitsplan zu bewältigen. Gleich zu Anfang beschäftigen ihn die Angelegenheiten von Elsass-Lothringen. Bis zum 1. Januar 1874 standen die Reichslande unmittelbar unter dem Kaiser, der in Gemeinschaft mit dem Bundesrat - aber ohne Reichstag - auch das Recht der Gesetzgebung ausübte. Zum Oberpräsidenten wurde der bisherige Präsident von Hessen und Nassau, von Möller, berufen. Die Hauptaufgabe der neuen Regierung bestand darin, die dem Vaterland entfremdeten Söhne wieder für das Deutschtum zu gewinnen. Bald erkannte man, daß diese Aufgabe vorerst unlösbar war. Solange einst die Elsässer dem Franzosentum widerstrebt hatten, so zäh hielten sie jetzt an diesem fest. Das städtische Bürgertum war ganz von französischer Bildung und Gesittung durchdrungen, der Klerus ersehnte nichts so sehr, als eine baldige Rückkehr der katholischen französischen Herrschaft. Die Landbevölkerung, obwohl sie noch deutsche Art und Sitte und Sprache bewahrte, hielt doch den Blick nach Paris gerichtet. So stieß die neue Regierung überall auf Widerstand und feindselige Gesinnungen. .... Am 16. Februar 1874 zogen die 15 Elsässer Abgeordneten im feierlichen Aufzug in den Reichstag ein, wo sie sich alsbald durch ihre Anträge bemerklich machten. Im ersten verlangten sie die Erlaubnis, bei den Verhandlungen des Deutschen Reichstags die französische Sprache gebrauchen zu dürfen...."
FRANKREICH
Bestürzender Sprachverlust links des Rheins
In Metz, der Hauptstadt des einst deutschsprachigen Lothringens, ist am 31. August 1989 die letzte Ausgabe der zweisprachigen französisch-deutschen Tageszeitung "France Journal" erschienen. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit hat sich der sprachliche Charakter von Elsaß und Lothringen im letzten halben Jahrhundert vollkommen verändert.(...) [ In Bezug auf "France Journal" heißt es weiter:]
Im Jahr 1963 verkaufte man 65.000 Stück, 1989 aber nur mehr 5.000. Dies verdeutlicht das Verschwinden der deutschen Sprache in Metz und im übrigen Lothringen. "Auftrag erfüllt" überschrieb die Redaktion ihren Abschiedsartikel und wies auf das langsame Sterben der deutschen Sprache und der ausschließlich deutschsprachigen Leser hin.
3. Weitere Quellen
(1) Das Parlament" 2005/ 5-6, S. 3